05.07.2016

DIE GEISTER DIE SIE RIEF

Ich starre vor mich hin, überlege wie ich anfangen soll. Gibt es überhaupt einen Anfang für eine längst beendete Sache? Eine Sache in der die letzten Worte längst gesprochen wurden und in der nie wieder neue Fragen aufkommen? Eineinhalb Jahre ist es her und trotzdem vergeht keine Woche, die ich nicht an ihn denke. Immerhin, es ist inzwischen nicht mehr jeder Tag. Wann das genau passiert ist weiß ich nicht mehr. Wieder starre ich aus dem Fenster, nehme einen Schluck Kaffee und schüttel ganz leicht den Kopf. Als erstes verschwanden die Erinnerungen an das Schlechte, alles negative was passierte war mit einem Schlag weg. Gegangen als er gegangen ist. Nur zurück in mein Gedächtnis gerufen durch die ewigen Gespräche mit meinen Herzensmenschen. Durch das Kiffen verflog viel anderes auch recht schnell. Aber das wenige was blieb und bis heute schmerzt sind die Erinnerungen an die Gefühle welche er in mir erzeugte wenn wir unsterblich waren. Wenn die Zeit stehen blieb und uns keiner etwas anhaben könnte. Nervöses Nagelhautkauen. Hand durchs Gesicht fahren, Zigarette anzünden. Sein ehemaliges Zimmer riecht nach ihm. Oder bilde ich mir das ein? Wie riecht er überhaupt? Noch eine Erinnerung, die längst verflogen ist. Auf der Fensterbank steht in dem sonst komplett leergeräumten Zimmer ein Paket, addresiert an seine neue Freundin. Das Bedürfnis es aufzureißen, anzuzünden und aus dem Fenster zu schmeißen ignoriere ich mit den nächsten Zügen an der Kippe weg. Stehe auf, gehe in Lucas Zimmer. Ein paar hochkommende Tränen drücke ich weg und lasse ihnen den Rest Bier folgen, der noch in der Flasche war. Ein paar Stunden später kommen er und seine aktuelle Fickfreundin nach Hause. Durch deren Trampeln geweckt drehe ich mich um und ignoriere sie einfach bis sie aufgeben mich zu wecken und sich ins Wohnzimmer verziehen. Sicherlich keine Lust nach der Nacht auf dem Sofa zu schlafen.

Zwei Wochen später. Ich wache auf mit auf dem Bauch eingerolltem, laut schnurrendem Kater. Es gibt wenig besseres, was einem der Morgen so schenken kann. Verschlafen blinzel ich ihn an und er genauso zerqnautsch zurück. Lege meine Hand neben sein Gesicht und den Kopf wieder aufs Kissen. So viel ist letzte Woche passiert, dass ich zur Zeit wirklich nicht in Worte fassen kann, wie ich mich fühle. Tim und ich sind entgültig getrennte Menschen. Auch, wenn ich das bereits öfter gesagt habe. Dabei dachte ich immer Nein! Ich werde niemals einer von den Menschen sein, die sich ständig Trennen um dann doch wieder zusammen zu kommen. Jetzt jedoch ist es vorbei und das traurigste daran ist, es tat kaum weh. Mit unserer Beziehung an sich abgeschlossen habe ich bereits vor einigen Wochen, inzwischen schon eher Monaten. Lediglich als Freund tat er mir leid und fehlt er mir auch. Und da ich ihn inzwischen wirklich gut kenne, schätze ich die Chancen gar nicht schlecht, dass wir irgendwann wieder normal befreundet sein können, wenn nur genug Zeit für uns beide verstrichen ist.

Ich scrolle durch Instagram und bei einem Bild meldet sich mein Herz kurz. So ein unnötig schlunziges und obwohl ich mich offen über solche Sprüche aufrege versetzt es mir insgeheim einen leichten Stich und der Gedanke an André spuckt wieder kurz durch meinen Kopf. Das erste Mal seitdem ich in seinem alten Zimmer saß. Es wird weniger und ich freue mich bereits auf den Tag, an dem er das letzte Mal mit Kummer verbunden durch mein Herz jagt. 


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