04.11.2015

REPEAT

Sonntag morgen, ich liege neben Tim im Bett. Schlafen ist schon lange nicht mehr möglich. Rückblick; Montag bis Donnerstag kaum mit Tim geredet, getroffen schon gar nicht. Mein Kopf quält mich seit Wochen und ich kann nicht sagen, ob ich gehen oder bleiben will. Freitag morgen dann dein Text, total fertig bist du seit 3 Tagen wach. Speed, Kristalle und den üblichen Scheiß, der in Dingern so drin ist. Höchstens alle zwei Wochen. Leise habe ich meine eigenen Worte im Hinterkopf während ich mich mit einem ehemaligen Mitpatienten aus der Klinik über meinen Konsum unterhalte. Nach der ersten Nase sind die Gedanken weg. Mein Kopf ist glücklich und die Wechselwirkungen mit dem Alkohol, dem Gras und meinen Medikamenten hüllen meinen Körper in warme Watte. Es stimmt schon, ich konsumiere weniger als früher. Kaum eigentlich. Aber wenn ich ganz ehrlich zu mir bin, liegt das nur daran, dass ich zur Zeit wieder bei meiner Mutter wohne. Ich hab keine Arbeit, keine Schule, bin noch krank geschrieben. Keine Struktur an die ich mich halten kann. Nur der Druck, dass wenn ich dich verlasse, du wahrscheinlich noch mehr abstürzen wirst und mit wer weiß was noch rückfällig wirst. Ich komme immer zuerst. So sollte es eigentlich laufen. Sagen mir alle, weiß ich selbst auch. Aber mir sagen auch alle, dass ich nicht fett oder hässlich bin und ich weiß es auch ganz rational betrachtet. Trotzdem hasse ich mein Spiegelbild jeden Morgen aufs neue.
Ich dreh mich um, beobachte kurz wie deine Brust sich beim Atmen hebt und senkt. Das war das letzte Mal denke ich mir. Wie schon so oft. Unzählbar oft. Jedes Mal, wenn ich nach unbestimmter Zeit das erste Mal wieder nüchtern bin habe ich diesen Gedanken. Und jedes Mal mach ich mir selbst einen Strich durch die Rechnung.
Kontrollierte Selbstsabotage.


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