13.10.2015

HOW TO LOOK LIKE YOU HAVING YOUR SHIT TOGETHER

"Wann bekommst du Geld?" - "Am 15. Du?" - "Ich auch. Lass Pappen kaufen. Benni hat zur Zeit richtig krasse!" Ich will lieber MDMA Kristalle oder Koks. Und das Koks am liebsten rauchen. Die Kristalle von vorletzter Woche waren aber auch echt gut. Nachdem ich nicht antworte, hackt Tim nach: "Ich hab richtig Lust auf LSD, so richtig." - "Ja überleg ich mir noch." Eigentlich habe ich kein Geld. Seit Mai warte ich auf das Geld vom Amt und es ist immer noch nichts passiert. Mein Betreuer klagt jetzt vor dem Sozialgericht, damit da endlich etwas passiert. Andererseits wäre LSD bei der Polizei im Drogentest nicht nachweisbar und das ist zur Zeit gar nicht mal unwichtig.
Heute in der Gruppe steht Sandra, eine von den ganz dünnen direkt vor mir. Ihre Oberschenkel sind 15cm breit, wenn überhaupt. Ich fühle mich schon wieder unmenschlich fett, dabei habe ich mich vor dem Losfahren zehn Minuten lang im Spiegel gedreht und mir meine eigentlich gar nicht fetten Beine von allein Seiten angeschaut. Zuhause esse ich dann zwei Brote mit dick Avocado drauf. Bin ich dumm? Ich wünsche mir wieder Speed und das damit komplett verschwundene Hungergefühl. Nur eine Nase, vielleicht zwei am Nachmittag. Dann schaffe ich es auch wirklich abends nichts mehr zu essen. Dann will ich abends gar nichts mehr essen. Und da ich zur Zeit Schlaftabletten nehme, wäre das Problem, dass ich nicht schlafen kann auch nicht präsent. 
Johanna erzählt von ihrem Wochenende, wie schlecht es ihr geht weil sie zu viel gefeiert hat und einen Durchhänger von den Drogen hat. Sie ist zwei Jahre jünger als ich und ich erkenne mich in ihrem Verhalten wieder. Eine gewisse Zeit lang beschränkte sich der Konsum bei mir auch auf die Wochenenden. Freitag Mittag bis Sonntag Abend zwar, aber ich schaffte es, viereinhalb Tage nüchtern zu bleiben. Eine Zeit lang. Ich warne sie vor dem Konsum, erzähle von meiner Entgiftung, wie dreckig Entzug sein kann, meiner Diagnose Polytoxikomanie und davon, wie gefährlich schnell das ganze alltäglich und selbstverständlich wird. Bis es irgendwann unverzichtbar ist, was man lange Zeit nicht mal merkt. Und wie schwer es ist, dagegen anzukämpfen und davon loszukommen. Aber selbst bin ich nicht besser. Ich predige davon, dass Drogen schlecht sind und böse und bei jeder Gelegenheit schieße ich mich weg. Und ich schäme mich dafür.  


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