12.10.2015

DÜNN, DÜNNER, UNSICHTBAR

Vorsichtig gehe ich die steile Treppe hoch, einen Fuß vor den anderen setzend mit immer schneller rasendem Herz. In dem Raum sind bereits ein paar von den anderen Mädchen. Das erste was sofort auffällt und mir einen ordentlichen Schlag in die Magengrube versetzt ist, dass alle wesentlich dünner sind als ich. Klar, eine Gruppe mit essgestörten Mädchen, was erwartest du? Noch dazu kennen sich die anderen, denn in meiner Unfähigkeit und Feigheit hab ich mich vor den ersten vier Treffen gedrückt. Wirklich viel redet keine von ihnen in den zwei Stunden, nur bei direktem Ansprechen der Therapeutin bekommen sie ein paar Worte raus. Ich finde euch scheiße. Konzentriert versuche ich so zu sitzen, dass meine Beine möglichst dünn erscheinen. Obs mir gelingt, keine Ahnung. Verzweifelt wünsche ich mir, unsichtbar zu sein. Schiele immer wieder rechts zur Tür, einfach raus aus dem Raum. Raus aus der Situation hat mein Therapeut in der Klinik mal gesagt. Wenn es mir an einem Ort nicht gut geht, ich merke, dass Ängste aufkommen oder meine Anspannung steigt soll ich die Situation einfach verlassen. Ich weiß nicht, was schlimmer ist; sitzen bleiben und aushalten oder aufstehen und den Raum verlassen während alle Blicke auf mich gerichtet sind. Ich bleibe schließlich sitzen und hoffe, dass das Pipamperon, meine Tabletten für Notfälle, das ich ganz zu Anfang genommen habe bald wirkt. 
Das ganze liegt jetzt sechs Wochen und sechs Sitzungen zurück. Und wirklich gewöhnt habe ich mich noch nicht an die Situation. Eigentlich geht es mir jede Woche aufs neue gleich elendig. Die gewünschten Erfolge sind kaum spürbar und ich weiß, dass es auch noch eine Weile dauert, bis diese Eintreten. Ich frage mich nur, ob ich diese Weile noch aushalte. Und morgen ist schon die nächste Sitzung.


Kommentare:

  1. ich kann dir das gut nach empfinden. gehe seit über 6 monaten zu so ner gruppe von drogensüchtigen. auch wenn man sich mit der zeit an die anderen gewöhnt und sogar freundschaften entstehen - es ist immer noch viel angst dabei, dinge aus seinem innersten preis zu geben.

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    1. oh respekt, dass du zu so einer gruppe gehst! spiele mit dem gedanken seit der klinik auch immer mal wieder, aber das ist echt was, wovor ich wirklich super angst habe. ich stand auch schon 2 mal vor der drogenberatungsstelle unserer stadt und hab glaube 5 zigaretten am stück geraucht um dann wieder nach hause zu gehen ...
      die gruppe jetzt ist auch nur halbwegs ertragbar, weil deren hauptmerkmal auf essstörungen liegt und das bei mir zur zeit eins der weniger schlimmen themen ist.

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LOVELY ONES♥