05.07.2015

SHOTS

Die 3. Woche Therapie neigt sich dem Ende. Bis auf einen Rückfall letztes Wochenende bin ich seit drei Wochen nüchtern. Die Entzugssymptome sind mittlerweile komplett weg, ich träume wieder regelmäßig und mein Körper fühlt sich nur noch geringfügig falsch und unecht an. der Suchtdruck kommt jedoch täglich durch. Natürlich am stärksten wenn ich Leerlauf zwischen den einzelnen Therapiezeiten habe. Das Positive überwiegt trotzdem bei weitem. Ich bin endlich raus aus dem Kreis vom Geld beschaffen für neuen Stoff um Abschalten zu können um morgens noch fertiger aufzuwachen und wieder Geld beschaffen zu müssen, damit der Zustand erträglicher wird.
In der Klinik habe ich auch endlich eine feste Diagnose bekommen: Borderline. Dachte ich mir schon, aber jetzt weiß ich es sicher. Anstatt mich zu schokieren macht mich das Wissen um meinen Knicks im Kopf ungewöhnlich zufrieden. Wie lange ich hier bleiben muss, weiß ich nicht. Insgesamt zieht sich die Behandlung über mindestens zwei Jahre. Wovon das meiste allerdings für ambulante Therapie vorgesehen ist. [...]

Wir sitzen im Park. Ich habe Samstag auf Sonntag frei um nach Hause zu fahren und ich wollte umbedingt raus. Trotz wahnsinniger Hitze sitzen wir abends auf der Wiese und grillen. Gekifft wird auch, einer erwähnt, dass er Teile dabei hat. Mir kommt sofort letztes Wochenende in den Kopf. Da ist meine therapiefreie Zeit ordentlich schief gegangen. Ich war vielleicht eine Stunde bei meinem Freund in der Wohnung, habe in der Zeit eine halbe Schachtel geraucht bis ich ihn schließlich vor die Wahl gestellt habe: "Entweder drehst du jetzt einen oder ich kiffe heimlich!" Eine, vielleicht auch zwei Stunden war ich glücklich. Danach war mir nur noch zum Kotzen zu Mute. Diesmal ist es aber anders. Ich beobachte meinen Freund beim Drehen vom Joint, genieße den angenehmen Geruch der beim Anzünden und Abbrennen in der Luft liegt, beobachte die Leute beim Weiterreichen und nur kurz überkommt mich der Gedanke, alles hinzuschmeißen. Die Therapie abbrechen und einfach mitrauchen ist schon verlockend. Oder ein Teil nehmen. Das es gute sind, weiß ich. Hab die selbst noch vor der Therapie verkauft um Geld zu machen. Als ich später mit ihm im Bett liege bin ich nüchtern, aber high vor Verknalltheit. Tim ist jemand, den man nur schwer durchschauen kann. Und niemand an den man einfach so leicht rankommt. Er lacht über etwas lustiges im Fernsehen und seine Augen strahlen. Ich kitzel ihm am Bart und er guckt mich an mit seinen unterschiedlich farbigen Augen. Ein Kuss und noch einen Kuss drücke ich ihm ins Gesicht. Er ist wie ein Spiegel für mich. Das erste Mal merke ich noch vor meinen unkontrollierbaren Aussetzern, wann mein krankes Verhalten durchkommt und kann mich bewusst runterbringen. Das erste Mal spielt meine kranke Eifersucht keine Rolle denn sie ist praktisch nicht vorhanden und das erste Mal renne ich nicht Hals über Kopf in eine Beziehung. Bei allem lassen wir uns Zeit und das ist gut so.

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