26.11.2014

NO MORE LIGHTS



"Bin ich verrückt oder alle anderen?"

Sitze im Bus, konzentriere mich auf die Musik die ich höre. Singe im Kopf den Text mit um an etwas anderes zu denken als an die in mir aufkommende Panik und das Druckgefühl, dass ich eigentlich gerade in genau die andere Richtung will. War seit zweieinhalb Wochen nicht mehr wirklich draußen, nicht mehr in der Stadt oder der Schule. Und bin seit zweieinhalb Wochen nicht mehr früher als 15 Uhr aufgestanden. Mittlerweile wurde überall weihnachtlich dekoriert. Ganze Straßen sind voll mit dem Mist. Eigentlich ja doch schön. Ich drücke meine Hände zusammen, als würde ich sie wärmen wollen und erinnere mich dabei an seinen letzten Händedruck "Ich liebe dich, viel Glück!" hatte er noch gesagt. Ich merke, wie mein Unterleib krampft, merke wie ich sehr bald aufs Klo muss und durchsuche meine Tasche nach Tampons. Wenn man irgendwo nicht hin möchte und seine Ankunft auf jeden Fall vermeiden will, nimmt man alles als Grund um nicht zu müssen. Ich frage mich also, ob es eine Ausrede ist von mir die ich mir selbst sage. Oder gehört das nicht dazu? Wie kann ich mir etwas ausdenken, was ja wirklich passiert. Ich musste ja wirklich so schnell es ging zu Rossmann und anschließend aufs Klo und bei unserer Schule ist nirgends ein Laden von dem ich wüsste.
Auf meinem Weg zurück zur Bahn sehe ich einen Mann auf dem Boden sitzen, auf dem Schoß einen winzigen, zitternden Hund. Ich drehe also um, kaufe Hundefutter und ein paar frische Brötchen vom Bäcker und setze mich zu dem Mann auf den Boden. Der Kleine heißt Mukki und er Rico. Durch sein gebrochenes Deutsch verstehe ich nur wenig von ihm, er komme aus Budapest und hatte dort keine Arbeit gefunden. Er ist erst 35, sieht aber aus wie weit über 40. Stolz erzählt er mir von seinem Mukki und wie sehr er ihn liebt. 
Als ich wieder gehe, denke ich darüber nach ihm alles Geld auf meinem Konto zu geben. Gedanklich spiele ich durch, wie ich in einem Brief erklären würde, warum ich das gemacht habe und das ich nicht leben möchte in einer Welt, in der so etwas Normalzustand ist. Beim einfahren der Bahn zieht es mich wieder ein Stück nach vorne. Nur einen Zentimeter, nicht mal, nur ganz leicht. Und dann kommt die Bahn ratternd zum Stehen. 


1206 Tage und ich liebe dich mehr den je. Für dich und mit dir will ich leben

Kommentare:

  1. Hey leah...
    ich finde deine Art zu schreiben wirklich sehr schön!!
    Dein Blog berührt mich, ich bin auch nicht zufrieden mit meinem Körper :-/
    Ich esse zu wenig, dann wirds mir schwindelig und ich fühle mich gut.
    verrückt!!
    würde mich freuen mehr von dir zu hören.

    nimmst du jetzt immer noch amphe und mdma?
    Glg Rose

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    1. Erstmal danke :)

      Ich hab auch das Gefühl, dass diese Unzufriedenheit nie ganz verschwinden wird. So lange wie das jetzt schon da ist.

      MDMA schon seit April nicht mehr. Durch meine Antidepressiva würde ich davon absolut nichts merken. Amphe leider immernoch viel zu oft, wobei sich das in den letzten drei Monaten auch vermindert hat.

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  2. Gerne :)

    Jaa die Unzufriedenheit wird wohl mal mehr, mal weniger bleiben. :-/
    Momentan ist wieder eine schlimme zeit -.-
    Also ich finde dich wirklich hübsch, wenn ich das mal so sagen darf ♡
    Ich hoffe du hast bald wieder mehr Zeit zu bloggen... lese wirklich gern deine Texte! :-D

    stay strong ♥
    Rose

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LOVELY ONES♥