06.11.2014

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Umso länger man in der Krankheit und Sucht drin steckt, desto schlauer wird man. Man lernt andere zu täuschen, seinen Schmerz zu verstecken, andere an zu lügen. Man rutscht immer tiefer ab, Tag für Tag, bis man merkt, dass man seit Jahren einfach krank ist. Man merkt, wie unnormal das ist, was man tut und wie verrückt seine Taten und Gedanken für andere Menschen wären.
Und das letzte, worüber ich nachdenke ist aufzuhören. Mache ich mir doch relativ wenig Gedanken um meine Essstörung, dreht sich die Erde für mich erst weiter, wenn ich morgens meine kleine weiße Happy-Pille geschluckt habe. Nicht Suchtbekämpfung sondern Verlagerung. Fein tanze ich zwischen künstlichem Lächeln und Selbstzweifel. Seit neun Monaten nehme ich brav vom Arzt verschriebene Drogen. Wohl wissend, dass ich eigentlich auch Therapie machen müsste. Aber den Gedanken schlucke ich jeden Morgen aufs neue mit der Tablette zusammen runter. Seit neun Monaten hat sich nichts verändert an meinem Gewicht und das erste Mal seit sieben oder acht Jahren scheint mir das auch nichts auszumachen. Irgendwo in mir drin höre ich den Zweifel sprechen. Das bist doch nicht du, sie sich da im Spiegel anlächelt. Das ist nur das, was die Tabletten aus dir machen. So lange und so viele Jahre, mein ganzen Leben lang war es für mich normal mich zu hassen. Selbstverständlich. Jetzt ist das Gefühl unterdrückt und ich frage mich, ist dieser Zustand der eigentlich normale und ich habe ihn all die Jahre nur nicht wahrgenommen? Irgendwie glücklich war ich ja schon immer. Nicht mit mir selbst, aber mit dem Leben. Ist dieses Gefühl also das, was alle Menschen sonst auch haben und es ist okay, die Tabletten als Hilfe zu nehmen? Oder stirbt dabei etwas, was ich bin, was mein Leben lang Teil von mir war. Wenn auch kein besonders schöner. Aber trotzdem Teil von mir. Ich glaube die Frage die meinen Kopf zum schmerzen bringt ist die Frage nach Normalität.
Und es macht mich so wütend, dass ich keine Antwort dafür finde. 


1 Kommentar:

  1. HEI Leah :)
    Deine texte berühren mich sehr.. und das ist echt ein Kompliment, denn kaum einer schafft es durch meine Mauer durchzubrechen! Ich hoffe Dir geht es bald besser :*
    Darf ich fragen von was Du abhängg bist..? (okay hab mal was von Speed und Pillen gelesen hier..) Bist Du im Programm? Du musst nicht drauf antworten..
    Naja aber es gibt hier kaum Blogs die von Drogen/sucht handeln.. deshalb bin ich immer fast "froh" einen gefunden zu haben. Bin selbst Heroinabhängig :/
    Naja liebe Grüße :)

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