15.07.2014

IN GOOD TIMES AS IN BAD

Erschreckend lange, dünne Beine, leicht braun und fein. Die Beine, die ich nie hatte und die Beine, die ich mir immer gewünscht habe. Für ihre gesamte Körpergröße sind die Beine meiner Schwester ziemlich lang. Sieht ziemlich perfekt aus, mittlerweile fängt ihr Körper sich an, zu verändern. Wie bei mir merkt man das auch zu erst an ihrem Hintern. Wir reden darüber, wie schrecklich ich ihn damals fand und ihn immer mit meiner Tasche versteckt habe. Und wie dumm das eigentlich war. Meinen Hintern mag ich zumindest angezogen heute am liebsten von meinem Körper, wenn ich mir irgendetwas aussuchen müsste. Es ist warm und sie trägt eine Hotpants, natürlich. Ich auch, aber nur mit Strumpfhose. Noch nie mochte ich meine Beine. Mag nicht, wie meine Oberschenkel sich bewegen und immer noch leicht berühren. Denke zurück, in die Zeit als ich anfing, meine Beine ekelig zu finden und sie nur noch versteckt habe. Wenn ich noch weiter zurück denke, bin ich in der Grundschule. Es gab eigentlich nie eine Zeit, in der es okay war für mich. Ich war Kind und dann hasste ich meine Beine. Jedes Mal, wenn ich darüber nachdenke, komme ich zu dem selben Ergebnis. Ich kann beim besten Willen nicht bestimmen, wann es anfing. Ich weiß vom erstem Mal, als ich mit 5 zu meiner Mutter sagte, das Fett an meinen Oberschenkeln stört mich. "Das ist nur Haut, das verwächst sich wenn du älter wirst." Mit sieben oder acht fand ich meinen Bauch ganz schrecklich, wenn ich nach unten an mir runter blickte, viel zu dick stand er hervor. Das ich ein Hohlkreuz hatte und er gar nicht anders konnte, als hervor stehen wusste ich damals nicht. Erst mit vierzehn bekam ich Krankengymnastik verschrieben, wo ich aber nie hin ging. Ungefähr in dem Alter sagte ich auch das letzte Mal zu meiner Mutter, dass ich die Haut an meinen Oberschenkeln als zu viel empfand. Von da an trug ich Strumpfhosen um meine dicken, weißen Beine zumindest ein wenig ästhetischer aussehen zu lassen. Und, damit ich sie nicht komplett nackt fremden Menschen aufdrückte. Meine Schwester läuft locker mit Hotpants und ohne Strumpfhose vor mir durch die Stadt. Ihre langen, blonden Haare entweder zur Seite oder nach hinten liegend ein wirklich schönes Bild. Hoffentlich bleibt das auch in den nächsten Jahren so. Sie bleibt abrupt stehen, dreht sich halb zu mir um und grinst mich breit an "Können wir noch zu Vero Moda? Die haben gerade Sale." Zu Hause dreht sie sich ein paar mal im Kreis, bewundert sich selbst in dem Kleid. Nicht ihr Kleid sondern meins. Mein Kleid, dass mir passt, passt auch ihr. 



1 Kommentar:

  1. Leah
    Ich habe dieselben Beine!
    Ganz genauso verstecke ich sie immer.
    Viel zu weiß, viel zu durchsichtig.
    Ich bin 33 jetzt.
    Aber ich habe eins gelernt: es bringt nix, sich zu hassen. Menschen mögen dich trotzdem, ja, auch typen. Mein Freund ist seit 5 Jahren bei mir.
    Akzeptier dich, so wie du bist. Nur das macht glücklich. Ich hab auch keine Titten, so what?!
    LG, L.

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LOVELY ONES♥